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Eine Reise nach … Spam

Vera Sturm

Dein Stubenhocker gewinnt einen Urlaub für zwei Personen an dem Ort, von dem alle Charaktere träumen. Wohin geht‘s und was passiert?

Gelangweilt scrollte ich durch meine E-Mails. Jeden Tag nur so viel unnützes Zeug. Als Reporterin war ich jedoch gezwungen, mich dieser ermüdenden Aufgabe zu stellen.

Doch eine Mail erweckte ganz besonders meine Aufmerksamkeit:

Seit wann schrieb mir Kim überhaupt eine Mail? Allerdings war der Inhalt mehr als erfreulich. Ganz anders als die Tausenden Mails, die ich sonst so zu lesen bekam.

In Anbetracht dieser Umstände war es mir kaum hoch möglich, mich überhaupt auf meine Arbeit zu konzentrieren. So beschloss ich, eine Pause zu machen und bei Kim vorbeizuschauen. Diese erfreuliche Nachricht wollte ich mit ihr persönlich feiern.

Kurz darauf saß ich auf Kims Sofa, die vor Spannung geladene Kim direkt vor mir. Sie tippte wie wild auf ihrem Handy herum. Da stürzte ihr Gesicht ab.

„Oh nein“, wimmerte sie. „Sie ist weg!“

„Was, die Mail?“, fragte ich verdutzt.

„Ja, sie ist … Aaaaaaah, da ist sie wieder. Ich bin so erleichtert. Fast wäre ich gestorben vor Angst.“ Kim durchlebte ein Auf und Ab der Gefühle. „Sie war doch im Spam-Ordner“, erinnerte sie sich.

„Spam?“ Ich stockte. Augenblicklich wurde mir klar, was Kim da gewonnen hatte. Aber wenn ich ihr die Wahrheit sagte, würde ich ihre Euphorie mit einem Schlag zerstören. Andererseits musste sie es früher oder später erfahren. Also lieber früher.

„Da ist sie!“, freute sich Kim.

„Zeig mal.“ Ich griff nach Kims Handy und las mir diese Mail aufmerksam durch. Bereits der erste Anblick verriet mir, dass sie unmöglich echt sein konnte. So kreisch-bunt war höchstens eine Mail, wenn Kim sie als Brief verschickt und zuvor mit Holzmalstiften „verschönert“ hätte. Es brach mir das Herz. Jedoch musste Kim die Wahrheit erfahren. Diese Mail war eindeutig Spam:

„Kim“, setzte ich vorsichtig an, nachdem ich die Mail zweimal gelesen hatte, um jeden Irrtum auszuschließen.

„Ja?“ Ihre Augen leuchteten vor Begeisterung, was es mir nicht einfacher machte.

„Diese Mail war nicht ohne Grund im Spam-Ordner“, fuhr ich weiter.

„Sicher nicht“, kombinierte sie, „nur wer aufmerksam danach sucht, kam das Glück haben und sie finden.“

„Eben nicht“, widersprach ich ihr, „denn jeder bekommt diese Art von Mails. Diese werden zu Tausenden generiert und verschickt. Damit hast du nichts gewonnen, Kim. Ich denke eher, das ist eine ganz miese Masche, um Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.“

Kim bekam große Augen. „Echt?“ Dann schien sie zu begreifen und begann lauthals aufzulachen. „Vera, du Komikerin, fast hätte ich es dir geglaubt.“

Doch als ich ihr die Mail zeigte und all die Punkte aufzählte, was auf eine Spam-Nachricht hinwies, brach sie wie auf Kommando in Tränen aus.

„Vera, du hast meinen Urlaub zerstört. Und dich wollte ich mitnehmen. Sag doch gleich, dass du nicht mitkommen willst, anstatt mich so anzulügen.“ Sie schluchzte herzzerreißend, während Tränen über ihr Gesicht rannen. „Du … du solltest jetzt besser gehen!“

„Kimmi-Maus“, murmelte ich und wollte sie tröstend umarmen, doch sie stieß mich von sich.

„Geh!“, jaulte sie. „Ich frag jetzt Dina, vielleicht will sie mich begleiten!“

„Kim!“, seufzte ich. So schwer von Begriff konnte man doch gar nicht sein.

„Vera!“, nannte sie meinen Namen in derselben vorwurfsvollen Tonlage, die ich gewählt hatte. „Du wirst sehen, Dina ist bestimmt nicht so fies zu mir!“

War es nicht sonst immer umgekehrt? Ich war die Nette und Dina die Fiese? Jedoch ließ sich nichts daran ändern, dass ich nur versuchte, sie zu schützen und ihr die Wahrheit zu erklären.

Da Kim allerdings bereits anfing, tränenüberströmt eine weitere Mail zu schrieben – vermutlich an Dina – musste ich schneller sein. Ich informierte unsere Freundin per WhatsApp, was wesentlich schneller ging:

Achtung, Kim hat eine Spam-Nachricht bekommen und glaubt nun, eine Reise für zwei Personen gewonnen zu haben. Vermutlich lädt sie dich gleich dazu ein. Mir wollte sie nicht glauben, dass es eine Mache ist. Bitte hilf mir!

„So, jetzt habe ich Dina gefragt. Und du – geh!“

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