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Drabbledienstag

Aktualisiert: 12. Aug. 2025

Zum #drabbledienstag von @nouks_books gibt es jede Woche drei Wörter, aus denen ein Drabble mit exakt 100 Wörtern entstehen soll.


Garten | Großeltern | Schokokuchen

Mit Ungeduld sitz ich im Garten.

Endlich kann das Wochenende nun starten.

Doch schon seit Stunden muss ich warten.

Sitze nur und trink Tee, gegarten.

Von Oma … mit vielen wilden Kräuterarten.


Die Gabel fest in meiner Hand.

Mehr Hunger hab ich als Verstand.

Warte ich, mir ist bekannt:

Mehr Zeit als es sollte wird geh‘n ins Land.

Nanu? Plötzlich riecht es stark verbrannt.

Meine Großeltern kommen angerannt.

Oma taucht auf hinter einer Wand.

Opa trägt eine Schaufel in der Hand.

Das ist ja allerhand!


Ihre panischen Blicke suchen.

Ich höre die Oma verzweifelt fluchen.

Im Ofen schmort der Schokokuchen.

Pentagramm | Winter | Einsamkeit

Die kalte Zeit naht, bald ist Winter.

Warme Sommertage treten hinter.

Mit Schnee und Frost: Ja, so beginnt er.

Die Wärme vertrieben, nach Kälte sinnt er.


Bald senkt sich ein Schleier aus Einsamkeit.

Für lange Zeit und meilenweit.

Vater Frost hat‘s prophezeit.

Das wird die Zeit voll Trauer und Leid.

Niemand ist dazu bereit.

Bald ist alles stumm und eingeschneit.

Nur die Kälte dir verzeiht.

Eisesflügel dir verleiht und aus der Einsamkeit befreit.


Ganz zart im Schnee siehst du sodann

Ein fünfzackiges Pentagramm.

Es soll vor Dämonen und Bösem bewahr‘n.

Das Böse vertreiben, bald wird es warm.

Der Sommer begann.

Sonnenwende | Nacht | Triumph

Es ist vollbracht –

Schon wird es Nacht.

Die große Macht,

Sie wird entfacht.

Anfangs so sacht’.

Noch unbedacht

Und bald bedacht

In voller Pracht.


Neigt der Winter sich dem Ende,

Führt herbei die Sonnenwende.

Wechselt sanft und ganz behände,

Geht den Weg fort in die Fremde.

Ist gespannt, was er fort fände,

Wird alsbald zur Legende.

Fordert neue feste Bände,

Legt’s dem Winter in die Hände.

Dies nimmt ein finster kaltes Ende,

Das durch Schnee und Eis bringt Brände.


Die Kälte, klirrend gar und stumpf

Zugefroren See und Sumpf

Strahlt so eisern voll Triumph

Spuren im Schnee, klein und dumpf.

Drang | Jupiter | Hoffnung

Die Gestirne standen nicht gut,

Obwohl der Aszendent sein Bestes tut.

Jupiter, so rot wie Blut,

Verleiht Optimismus und wahren Mut.

Entfacht des Seemanns große Wut,

Des Meeres unzähmbare Flut

Und seine Sehnsucht, heiß wie Glut,

In der all seine Hoffnung ruht.


Zuerst erklang lieblicher Gesang

Gefolgt von einem engen Zwang,

Dem Seemann war’s anfangs recht bang.

Doch dann …

Ganz erregt, ein tiefer Drang,

Der ihn zu irren Taten zwang:

Kurzerhand in einem Gang

Über die Reling er sich schwang,

Um ins Meer zu springen dann.

In der Nacht, es ging nicht lang,

Kenterte er durch der Sirenen Klang.

Mut | Fenster | Pfütze

Schwer aufatmend blicke hinaus

Aus dem Fenster, ich bin zuhaus’.

Seit Tagen kann ich nicht mehr raus,

Eingeschlossen auszuharren, welch ein Graus!

Ich will – auf Teufel komm raus –

hinaus.


Doch das Wetter ist mir keine Stütze,

Es regnet und prasselt, es füllt sich die Pfütze.

Esse frustriert schon das dritte Glas Grütze.

Dann kommt mir eine Idee: Ich kann mit Mütze

hinaus, vor Regen sie mich schütze.


Seit Tagen nur Regen, mich verließ der Mut,

Lange hatte ich nicht mehr so lange geruht.

Doch diese Idee – so brillant, so gut –

Mich befreite, mir Gutes tut.

Springe freudestrahlend in die Regenflut.

Faust | Himbeermarmelade | verkommen

Auf den warmen Sommer ich voll Sehnsucht warte,

Bis er, so süß wie Himbeermarmelade,

Mich mit seinen warmen Strahlen begrüßt

Und mir damit den neuen Tag versüßt.


Noch haust meine Freude im tiefen Bau,

Versteckt, wartet auf den Sommer, bis er, schau,

Die Faust gen Himmel reckt und dann

Mit Sonnenstrahlen malen kann.


Im Winter wahrlich fast verkommen,

Zusammengekauert vor dem Kamin, beklommen,

Gewartet auf die wohlige Wärme,

Auf viele summende Bienenschwärme.


Auch die Beeren an den Sträuchern,

Lichtdurchflutet hinter Häusern,

Voll Ertrag, gut ist die Ernte. Es wäre schade,

Macht man daraus nicht Himbeermarmelade.

So wird der Sommer kommen.

Totenbuch | Mord | Zug

Einst berichtet dunkle Mär,

Was wirklich hier geschehen wär.

Es begab sich in finstrer Nacht,

Mondbeschienen war die Yacht.


Ein junger Jüngling, unbedacht,

Querte die Gleise, in jener Nacht.

Knochen auf Eisen, ein entsetzlicher Schrei,

Sekunden später war’s vorbei.


Kaltblütig, skrupellos war dieser Mord geschehen,

Er hat den Zug nicht kommensehen.

Unsagbare Qualen im Totenreich zu erleiden,

Will sich in Rachegewändern kleiden.


Niedergeschrieben mit Blut im Totenbuch

Stand von jenem Tag an ein finsterer Fluch:

Wer diese Gleise überquert,

Dem dasselbe widerfährt!


Vorboten der Hölle verkünden die Kunde,

Um Mitternacht, zur Geisterstunde.

Sodass niemand etwas wagt,

Kein Sterbenswörtchen darüber sagt.

Dornen | Zaubertrank | Vergissmeinnicht

Es war einmal vor langer Zeit

Ein Schloss, umrankt von Dornen.

Prinzessin im allerschönsten Kleid,

Verflucht durch Feenzorn geboren.


Hundert Jahre tiefer Schlaf,

So sprach die böse Fee.

Spindelstich: der Fluch eintraf,

Das Schloss ruht, es fällt der Schnee.


Auf weichem Stroh gebettet:

Den Prinzen ersehnt und Sonnenlicht.

Darauf, dass er sie errettet,

Blüht wie ein Vergissmeinnicht.


Der edle Held betrat das Schloss,

Sah die Schönheit schlafen.

Mut durch seine Adern floss,

Als seine Blicke sie trafen.


Mit sanftem Kuss, als sei's ein Zaubertrank

Beugte sich vor, gespritzte Lippen.

Erwachte, erleichtert in seine Arme sank,

Will zum Gemahle ihn erbitten.

Frost | Blume | Feuer

Das Zepter ist übergeben, der Frost regiert

so lange, bis er an Macht verliert.

Geschmückt in Schnee und kaltem Eis,

sein ganzes Reich erstrahlt in weiß.


Kühl und klar überzieht der Frost

die Wiesen und Blumen von Nord bis Ost.

Mit eisigen Fingern lässt er Bäche erstarren,

mit kaltem Hauch die Seen verharren.


Die Tiere verkriechen sich,

zittern, frieren bitterlich

und finden nicht genug zu fressen,

des Frostes Ernte ist kaum zu messen.


Selbst des Feuers Flamme erlischt in seinem Reich,

wenn der Frost regiert, so fahl, so bleich,

erstirbt jeder Spross, jeder Keim, so zart,

in Sekundenschnelle erfriert, erstarrt.

Stift | Nebel | Knacken

Sanft liegt der Stift in meiner Hand, ich kann zusehen,

wie er tanzt übers Papier, lässt Welten entstehen.

Mit jedem Strich, mit jedem Wort

entsteht Neues, Wort für Wort ein neuer Ort.


Zieht mich hinein wie ein Bann,

Nebel umwabert mich sodann.

Tauche ein in eine Welt voll Magie und Wunder

für Stunden, gefühlt nur Sekunden, und der

Tag verstreicht, das Blatt füllt sich unentwegt,

bis eine neue Geschichte dort niedergeschrieben steht.


Dann, ganz unerwartet mit einem Stück

reißt mich das Knacken der Mine zurück

in die Realität … Ich hatte zu fest gedrückt.

Ob die Rückkehr noch einmal glückt?

Schlafwandeln | Mitternacht | Kühlschrank

Glockenschlag um Mitternacht,

Punkt zwölf Uhr, wenn der Geist erwacht.

Zur Geisterstunde, dem Tanz der Nacht,

so manches Gespenst abscheulich lacht.


Nur ein Mensch ist unter ihnen, kam nicht handeln,

er weiß von nichts, ist verdammt zum Schlafwandeln.

Des nachts bei Vollmond, klettert über den First der Dächer,

groß ist dabei das Geistergelächter.


Würde er stürzen, wüchse die Geisterfamilie,

drum schwenken sie die Todeslilie.

Hauchen Gänsehaut ihm ein und heulen ihr Leiden,

wollen ihn zum Sturze treiben.


Doch unversehrt wie jede Nacht,

kehrt er zurück, ehʼ er erwacht.

Die Geister ärgern sich grün und krank,

verziehen sich in den Kühlschrank.

Türrahmen | Einhorn | Puls

Tief im Wald liegt ein Portal,

es führt in eine magische Welt.

Durschreitet man es mit hohem Pulse

wird die innere Sehnsucht erhellt.


Magische Wesen schwirren umher,

kleine Feen flattern durch die Luft.

Am Fuße des Flusses ein Einhorn steht

Du spürst, wie die Sehnsucht ruft.


Ein magischer Ort, so farbenfroh-bunt

erfüllt dich mit unsagbarer Freude sofort.

Du bist verzaubert gar davon,

Ein wahrlich unbeschreiblicher Ort.


Durchquert den Türrahmen in die magische Welt,

fällt dir auf, Magie existiert überall – dort und hier.

Magie ist kein Ort, sie ist ein Gefühl,

weißt du sie zu schätzen, so kommt sie zu dir.

Verdorrt | Herz | Gift

Ein armer Köhler schürt die Kohle,

arbeitet bis zur Erschöpfung zu seinem Wohle.

Dem Holzfäller-Michel mit verdorbenem Herzen

beliebt’s nicht mit Geld zu scherzen.


Munk lässt sich darauf ein,

sein Herz zum Schein

getauscht gegen Reichtum allein

gegen einen kalten Stein.


Verdorrt, verdorben ist er nun,

der Schatzhauser wollt’ nur Gutes tun.

Doch Munks Herz so kalt, so voller Gift

gehorcht Holzfäller-Michels mieser List.


So geschah's, alsbald verdorben

konnte sich beinah nicht retten, gestorben

schien die Liebe, gefroren schien sein Herz.

Unvermeidbar kam der März.


Durch Munks List, schon ist's passiert,

Holzfäller-Michel das Herz verliert.

Munk ist verliebt

und siegt.

Eichhörnchen | Vanille | Prinzessin

Es lebte einst eine Prinzessin im Schloss,

die war sehr eingebildet, stets hoch zu Ross.

Trug nur edle Kleider aus Seide und Tüll,

verdeckte ihren Körper mit modischem Müll.


Stolziert hoch erhobenen Hauptes durch den Flur,

starrt grimmig vor sich hin, so stur.

Begleitet von sanftem Hauch Bourbon Vanille

lutscht ein Bonbon in aller Stille.


Kommandiert ihre Diener kaltherzig herum,

in den Wald zu gehen zur Jagd. Darum

will sie Mäntel tragen,

aus Echtfell und mit Eichhörnchenkragen.


Niemand im Königreich ist gut auf sie zu sprechen,

Manch einer beginnt bei ihrem Anblick zu brechen.

Sie glotzt und motzt,

er kotzt.

Sonnenuntergang | Verdammnis | Zuckerwatte

Die Sonne färbt den Himmel rot,

bald schon geht sie unter.

Die Verdammten, starr und tot,

warten, werden munter.


Bei Sonnenuntergang

beginnen sie sich zu regen.

Schaurig erklingt ihr Stöhnen, ihr traurig klang,

der Tod beginnt zu leben.


In der Verdammnis wohnen sie,

verdorrt von miesen Taten.

Das Sonnenlicht erblicken sie nie,

so böse, wie sie waren.


Ein kleines Kind mit Luftballon

steht am Straßenrand und schreit.

Rennen will es schnell davon,

mit faulen Zähnen grinsen breit


die Verdammten modrig ihr entgegen.

Das Kind mit Zuckerwatte süß verklebt,

ist geschockt, kann sich nicht regen.

Der Tod in ihr nun lebt.

Henker | Leben | Fleisch

Der Richter und sein Henker,

das lässt den Dürren matt.

Bei Nachteinbruch, da lenkt er,

Den Wagen aus der Stadt.


Strotze voller Energie,

mit klarem Geist, doch wie ein Rüde

heulte zum Mond – und nie

gab er nach, bis sein Fleisch ward müde.


Der Mord geschah in finstʼrer Nacht,

gesehen hat es keiner.

Der Mörder tanzend lacht,

erschoss den Schmied im Eimer.


Kommissar Bärlach dachte stumm,

behielt den Verdacht für sich.

Ahnungslose guckten dumm,

bis die Schuld von ihnen wich.


Im Bauch rumortʼs, ein Schuss erklang,

der Täter hatte sich versteckt.

Bärlach laut nach Atem rang,

trotzdem siegt: Fall aufgedeckt.

Brandung | Mond | Mitternacht

Bei kristallklarem Mondenschein um Mitternacht

schlägt zischende Gischt der Wellen einher.

Sie wogen und wellen, am Ufer noch sacht,

die Brandung bricht nieder, geschleudert vom Meer.


Meeresrauschen, brechende Wellen,

die krachend an die steinernen Felsen schellen.

Dem Tosen lauschen, dem lauten, dem krellen,

wie lachend Neptun spielt im Hellen.


Sie rauschen, sie donnern,

sie bauschen sich auf.

Sie taumeln, sie donnern,

sie brechen im Lauf.


Schon wieder zerschellt eine Welle am Felsen,

schon wieder schlägt sie der Fels grob zurück.

Schon wieder peitscht neue, mit gereckten Hälsen,

ein auf die Felsen und trägt von ihm ab – Stück für Stück.

Wiese | Himmel | Axt

Strahlender Himmel, muntʼre Schäfchen spielen,

ich liege auf einer Wiese und schaue hinauf.

Blökend tanzen sie, die vielen,

eine flauschige Herde, dem Süden zu lauf.


Dort verformt sich eine, ist wohl das schwarze Schaf,

wird zum Wolf, hat sich versteckt in wolkig-weißer Herde.

Unbemerkt, alle anderen brav,

ziehen blökend, ahnungslos entlang windgeführter Fährte.


Da bricht er hervor und springt

auf ein klitzekleines Schäfchen.

Schnell hat ihn die Herde umringt,

aufgeweckt aus ihrem Schläfchen.


Verschlingt eines und ein anderes auch,

eine Bö beflügelt den Raub.

Er frisst und giert, hat Watte im Bauch,

rasend wie die Axt im Walde, wird taub.

Knochen | Kerzenschein | Regen

Seit Tagen prasselte der Regen unaufhörlich, trieb verängstigte Wanderer zu ihm, um die er sich vollständig kümmerte. Es klopfte, ein neuer Gast. Der Einsiedler saß im Waldhäuschen. Nur die Kerze spendete ihm Licht, ließ lange Schatten an den Wänden tanzen. Der Kerzenschein tauchte sein Gesicht in schummriges Licht, projizierte die boshaft grinsende Fratze an die Wand. Er musste sich um seinen Gast kümmern. Bereits viele Finger hatten ihm beim Schnitzen geholfen. Er trank einen Schluck. Sein Bart färbte sich dunkelrot. Nichts ließ er verkommen, wenn er sich um seine Gäste kümmerte. Neue Möbel, so fahl und weiß, brauchten viele Knochen.

Kaffee | Sofa | Blut

Mit einer dampfenden Tasse Kaffee saß er frustriert auf dem Sofa und starrte grimmigen Blickes an die fast kahle Wand. Nur ein Bild hing dort – schief. Über Stunden hatte er versucht, es aufzuhängen. Der Hammer hatte jedoch nicht so gewollt wie er selbst. Anstatt des Nagels an der Wand hatte er mit jedem Schlag seinen eigenen getroffen – Schlag um Schlag. Au! O weh! Grün und blau war der Daumen inzwischen. Das Gemälde zeigte eine idyllische Landschaft, so friedlich und unbeschwert: ein blaues Meer mit sanften Wellen und grüne Wiesen bewegt von Meeresprise. Und darunter zierten drei Tropfen Blut die Wand.

Gürtelschnalle | Goblin | Enrique Iglesias

¡Olé, cantamos! Enrique Iglesias heizte sein Publikum an, was nur wenige Sekunden dauerte. Vor allem die jungen Señoritas waren Sekunden später der Ohnmacht nahe, begann der lateinamerikanische Popsänger mit seinem Auftritt. Die traumhafte Atmosphäre dieser lauen Sommernacht entlockte dem Publikum pausenlos begeisterte Aufrufe und Pfiffe. Ja, sie liebten ihn, wie er sich auf der Bühne zur Musik bewegte, seine rechte Hand das Mikrofon an die heißen Lippen führend, Worte der Liebe und Zärtlichkeit hauchend, während die andere auf seiner Gürtelschnalle ruhte, die einen grinsenden Goblin zeigte. Trotz der Dunkelheit trug Iglesias seine Sonnenbrille, machte aus seinen verführerischen Blicken ein Mysterium.

Lärm | Stress | Lichter

Es war nicht auszuhalten. Ohrenbetäubend brüllte der Lärm ihm entgegen. Und dann dieser Stress. Der immerwährende und nicht enden wollende Stress. Flackernde Lichter überall. Ein einziger Albtraum, der alle Sinne auf einmal anzugreifen schien. Der Lärm brüllte, das Licht: gleißend hell. Wie war er hier nur hineingeraten? Doch als er sich an den Kopf fasste und die Hand blutig war, erkannte er, dass dies kein Traum gewesen war. Dies war die grausame Realität, in der er soeben einen Unfall gebaut hatte … und diesen nur knapp überlebt, dem Tod entronnen. Er war zu schnell gewesen und hatte die Kontrolle verloren.

Lidschatten | Totenschädel | Drachenei

Der Weg war beschwerlich, mein Rucksack entbehrlich. Die Schatzkarte in meiner Hand war bislang mein einziger Schatz. Da gabelte sich der Pfad, folgte dem roten Kreuz, das da steht. Hinter Lianen, Wasserfall, einer Schlucht führte es mich hin. Ein Totenschädel, grotesk aufgebahrt, starrte mich strengen Blickes an, als trüge er Lidschatten. Der Wächter dieser geheimen Stätte. Dann entdeckte ich, wonach ich gesucht hatte, wonach seit Jahrhunderten so viele zuvor gesucht hatten und niemand gefunden hatte: das Drachenei. Einen Schritt, dann war es mein. Doch da zerbrach der Boden unter mir, ich stürzte hinein. Und ich sollte nicht der Letzte sein.

Kuckuck | Winter | Ziegelstein

Der Winter naht auf leisen Pfoten, Schnee legt sich sanft über Wald und Wiesen. Legt die Welt in tiefen Schlaf. Ruhe sanft! Nur ein Kuckuck, frech und keck, stellt sich der Kälte starr entgegen. Will nicht weichen, strahlende Sommerlust verlässt sein kleines Herzlein nicht. Schaut zu, wie grüne Tannenspitzen weiße Mützen überziehen. Schaut zu und sieht und staunt. Im Wald, auf den Feldern, so ruhig. Die Welt wird leiser, ruht bald sanft. So auch der rote Ziegelstein, der dort schon seit Jahren wohnt; verloren ging er einst, und so liegt er hier und ziert die grüne Flur in leuchtendem Zinnoberrot.

Sirene | Hilfe | Frucht

Ruhig lag die See an diesem Abend unter dem Mantel der Nacht. Der Kapitän blickte in die endlose Ferne: strahlende Sterne wiesen ihm den Weg in den Heimathafen. Da erregte ein Ruf seine Aufmerksamkeit. Eindeutig ein Hilferuf! Über die Reling gebeugt, entdeckte er eine hübsche Frau auf einem Fels sitzen. Ihr Unterleib ging in einen Fischschwanz über. Augenblicklich erkannte er, welches Wesen er vor sich hatte: eine Sirene, die gefährlichste Kreatur des Meeres. Sie bezirzte Seemänner mit ihrem Gesang, ließ Schiffe kentern, die erbarmungslos von den Tiefen des Meeres verschluckt wurden. Kalte Finger reckten sich nach ihm – nach neuer Frucht.

Kleeblatt | Licht | Banane

Die Sonne schickte ihre sanften Strahlen hinab in die Gräser. Tief versteckt stand ein vierblättriges Kleeblatt, das vor Glück so saftig grün war, dass es selbst der jagende Bussard aus hundert Metern Höhe sehen konnte. Und noch eine Pflanze hob sich von den anderen ab: Mitten auf dem Feld stand eine Palme, deren Früchte leuchtend gelb waren. Sie war so gelb, dass selbst der Maulwurf sie aus hundert Metern Entfernung sehen konnte. Nur sah er dabei den Bussard nicht, der gerade zum Sturzflug ansetzte und ihn kurz darauf im Nacken packte. Die Banane war das Letzte, was er gesehen hatte.

Sand | Thron | Verfall

Seit Tausenden von Jahren lebte tief in der Wüste der letzte Pharao. Verfall zierte sein einstmals makelloses, edles Antlitz wie auch sein Reich, das Jahr um Jahr, Sandsturm um Sandsturm mehr im heißen Wüstensand verschwand. Prunkvoll war er einst gewesen, in edler Kleidung auf seinem Thron gesessen. Doch nun: Die Jahre waren ihm deutlich anzusehen. Seinen Sarkophag hatte er nicht nehmen wollen. So saß er noch heute auf seinem Thron, einbandagiert in edle Tücher, die seinen Körper vor dem völligen Verfall bewahrt hatten. Doch was von dem einst strahlenden Pharao noch übrig geblieben, saß nun als Mumie auf dem Thron.

Pfad | Gezeiten | Splitter

Der endliche Pfad des Lebens ist wie ein Spaziergang am Strand. Mal gibt es schöne Tage, mal weniger schöne. Mal hat man viel Platz, kann die Gedanken baumeln lassen, wenn Ebbe ist – dann steht einem das Wasser bis zum Hals, wenn die Gezeiten die Flut bringen. Mal hat man nasse Füße und eine laufende Nase, mal ist alles trocken, die Sonne brennt und alles scheint stillstehen. Der Weg führt weiter: über Dünen, raue Felsen, weichen Sand und schäumende Gischt, durch raschelndes Gras und duftende Blumen, durch öde Steppen mit Splittern und spitzen Steinen, die verletzen, Wunden aufreißen und wieder verheilen.

Gedanke | Wasser | Feder

Verloren in Gedanken, blicke ich hinaus aufs Meer. Das Rauschen der Wellen erfüllt mich mit Entspannung. Mit jeder Welle, deren schäumende Gischt über das Ufer streicht, versinke ich ein Stück tiefer in meinem Tagtraum, meiner Meditation. Ich lege mich in den Sand und schließe die Augen. Leicht wie eine Feder fühle ich mich, als könne ich fliegen wie die Möwen, die dort am Himmel kreisen, als wöge mich das Wasser sanft auf und ab, als schaukeln mich die Wellen des Meeres in den Schlaf. Eine tiefe Ruhe legt sich über mich, entspannt mich, mein Atem wird ruhiger. Ich schlafe ein.

Gänseblümchen | Papier | Lampe

Dort steht es, das Gänseblümchen auf der Wiese: makellos, zart. Es reckt sich den warmen Strahlen der Sonne entgegen, die wie eine immerwährend leuchtende Lampe die Welt erhellt. Schön wie ein Gemälde mit Ölfarben auf edlem Pergamentpapier. Das kleine Blümchen, mitten auf der Blumenwiese, umgeben von gelbem Löwenzahn, rotem Klatschmohn und blauen Kornblumen. Nur das Gänseblümchen allein trägt ein weißes Kleid: fein und rein. Es hebt sich ab aus der bunten Menge, strahlt für sich ganz allein. Es braucht nicht immer eine offensichtliche Farbe, um hübsch und bunt zu sein. Denn wie das Sonnenlicht, vereint weiß alle Farben in sich.

Wort | Spiel | Zeit

Regen prasselt gegen die Fensterscheiben. Mit seinem musikalischen Klopfen bringt er sie herbei: die Inspiration. Leise kratzt die Feder übers Papier, taucht in die frische Tinte ein und webt eine Geschichte. Wort für Wort. Die Feder tanzt übers Papier, als sei es ein Spiel, ein Tanz, ein Abenteuer. Klopf, klopf, klopf. Gleichmäßig prasseln Regentropfen an die Fensterscheiben. Allmählich kehrt Ruhe in den stressigen Alltag ein, entführt mich aus der Realität und begleitet mich hinein in eine magische Welt. Es ist die schönste Zeit, um zu schreiben, die schönste Zeit, um zu träumen … um Welten zu erschaffen und zu bereisen.


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