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FSJ-Blog #32

22.05.2023 28.05.2023


Abeschlussseminar Italien


Bella Italia. Diese Woche war einfach unglaublich. Wie ich bereits angekündigt hatte, fuhr ich mit meiner Seminargruppe zu unserem Abschlussseminar nach Italien, genauer gesagt nach San Zeno an den Gardasee. Mit dabei war die Parallelgruppe aus Baden-Baden und eine Gruppe aus Offenburg, mit denen wir uns schnell anfreundeten. Unser Hotel lag in einem schnuckeligen Dörfchen etwas höher, sodass wir einen großartigen Ausblick auf den Gardasee hatten. Jeden Tag besuchten wir einen anderen Ort und tauchten mehr denn je in die italienische Kultur ein. Die Abende verbrachten wir meist in gemeinsamer Runde mit Kartenspielen. Doch bis dahin war es ein langer Weg: Zwölf Stunden dauerte die Fahrt, bis wir endlich ankamen. So hatten wir den Montag komplett im Bus verbracht und fielen nach einer kleinen Stärkung erschöpft ins Bett.

Am Dienstag starteten wir richtig durch. Kurz die Rucksäcke gepackt, ging es mit dem Bus nach Verona. Dort schauten wir uns die Arena di Verona und den Balkon von Shakespeares Romeo e Giulietta an. Weiter ging die Fahrt nach Garda, wo ich mein erstes Eis bestellte – auf Italienisch! „Il gelato nel cono, per favore.“

In jedem Seminar gab es eine Strafe fürs Zuspätkommen, so auch diesmal: singen. Prompt mussten zwei Jungs über das Bus-Mikrofon singen. Sie präsentierten uns „Let it go“ und das nicht einmal schlecht.

Träger meines FSJs ist das Deutsche Rote Kreuz, von dem aus auch die Seminare stattfanden. Da gehörte es natürlich dazu, die Ursprünge des Roten Kreuzes zu erforschen, dem inzwischen um die 192 Länder angehören. So fuhren wir am Mittwoch nach Solferino, wo wir eine eindrucksvolle Führung bekamen, die uns in eine besondere Kapelle führte. Sie war ganz anders als alle, die ich bisher gesehen hatte. Ein grotesker Anblick bot sich uns, als wir Tausende Gebeine bestaunten, die dort hinter Gittern aufgebahrt waren. Mir schien es, als könnte ich die Totenschädel flüstern hören, wie sie von ihrem Leid des Krieges erzählen, während ihre augenlosen Schädel uns anstarrten:

„Die Schlacht um Solferino im Jahre 1859 tobte unerbittlich. Das Knallen der Waffen war ohrenbetäubend und ein beißender Geruch nach Schießpulver und verbranntem Fleisch lag in der Luft. Die Männer schrien, wenn sie verwundet zu Boden sanken, niedergetrampelt von verängstigten Pferden. Wer keine Waffe hatte, kämpfte mit den bloßen Händen bis zum bitteren Ende. Es gab mehrere Tausende Verwundete auf beiden Seiten. Der Schweizer Henry Dunant zeigte keine Furcht und beschloss, allen Verwundeten zu helfen, gleich welcher Seite sie angehörten. Inmitten dieser grausamen Schlacht zwischen Schmerz und Leid wurde das Rote Kreuz geboren: eine Organisation, die bis heute existiert, sich über die ganze Welt verteilt hat, wo sie ihre sieben Grundsätze Unparteilichkeit, Menschlichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität vertritt und Menschen bedingungslos in jeder Lage hilft. Dunant hätte nie damit gerechnet, welch großes Erbe er damit seiner Nachwelt hinterlassen würde, die sich fortan als Rotes Kreuz, Halbmond oder Kristall als Helfer der Menschen versteht.“

Nach diesem Erlebnis ging es nach Sirmione, um das gerade Erlebte erst einmal sacken zu lassen. Die Stadt ist umgeben von einer Mauer, die eine mittelalterliche Idylle ausstrahlt. Hier holten wir uns eine Kugel vom wohl größten und leckersten Eis überhaupt.

Da unser Bus am Donnerstag stehen musste, nutzten wir die Zeit für unsere Praxisreflexion. Gemeinsam blickten wir auf unser Freiwilliges Soziales Jahr zurück und was es aus uns gemacht hat. Ich kann zweifellos sagen, dass ich um Welten selbstbewusster geworden bin und es mir in jeglicher Hinsicht so viel gebracht hat. Als Andenken habe ich für meine Gruppe ein Buch ähnlich einer Klassenzeitung erstellt, in das wir uns alle gegenseitig hineinschrieben. Zusammen mit der Parallelgruppe aus Baden-Baden aßen wir – wer hätte es gedacht in Italien? – Pizza. Ein besonderes Ereignis war an diesem Abend eine Nachtwanderung, die Teamer Maarten mit uns unternahm. Im fahlen Schein des Mondes liefen wir in kleiner Gruppe durch die Straßen des quirligen Städtchens San Zeno und fanden uns bald auf einem finsteren Schotterweg mitten im Wald wieder. Was uns gleichermaßen freute und überraschte, dass einer der beiden Kellner mit seinem Moped nachkam und ein Stück mit uns lief.

Venedig. Die schwimmende Stadt der Liebe und des Mondes, durchzogen von kleinen Gässchen und Kanälen. Mit der Fähre ging es am Freitag nach Venedig. Ich fühlte mich auf dem Markusplatz wie Scipio aus Cornelia Funkes „Herr der Diebe“. Zahllose Brückchen überquerten wir auf unserem Weg durch eine Stadt, die es so wohl kein zweites Mal auf der Welt gibt: kaum in Worte zu fassen und einfach atemberaubend. Aber noch eine weitere Verbindung zur Literatur gab es für mich. In meinem aktuellen Buchprojekt sollen die Protagonistinnen nach Venedig reisen, um ihren Fluch zu brechen. So war es für mich eine eindrucksvolle Recherchereise, die nicht schöner hätte sein können. Von jeder Ecke machte ich ein Foto, um ja kein Detail zu verpassen. Venedig ist einfach eine unglaubliche Stadt, die ich nie vergessen werde. Doch auch gerade hier gilt: Immer gut aufgepasst, die Coperta (das Gedeck, wofür man in Italien extra zahlen muss) kann teuer werden.

Weiter ging es samstags nach Malcesine. In italienischen Restaurants gibt es oft ein Körbchen mit kleinen Brötchen und Grissini dazu. Eines davon „entführte“ ich, womit wir später Enten fütterten. An diesem Abend war auch schon unser Abschlussabend, da es am Sonntag um 5:00 Uhr (!) losgehen sollte. In gemütlicher Runde riefen wir uns die schönsten Erinnerungen ins Gedächtnis und teilten sie lachend miteinander. „Wisst ihr noch …“, wie viele wundervolle Momente wir miteinander hatten, die ich nie vergessen werde. Es war eine so unglaublich tolle Zeit. In diesem Moment war es ein eigenartiges Gefühl, dass es schon bald vorbei sein würde und wir alle komplett neue Wege einschlagen werden. Nun war es an der Zeit, die Briefe zu öffnen. Während allen Seminaren hatten wir die Möglichkeit gehabt, uns gegenseitig Briefe zu schreiben, die wir heute endlich lesen durften. Auch einen Brief an uns selbst hatten wir im ersten Seminar verfasst. Als ich meinen las, war ich selbst etwas erschrocken, wie viel ich mir geschrieben hatte. Doch all das war für einen Moment vergessen, als wir versammelt auf der Terrasse tanzten. Teamer Kim zeigte mir und ein paar Jungs ein paar Grundschritte, wie man relativ gut zu fast jedem Lied sich bewegen kann. Und das ist jetzt kein Witz: Ich habe nämlich vorher noch nie getanzt und mich auch echt etwas komisch dabei gefühlt.

Mir fällt es enorm schwer, diese letzten Zeilen zu schreiben, da ich mir die Tränen zurückhalten musste. „Also dann, meine Lieben, ich werde euch sehr vermissen. Es war eine unglaublich schöne Zeit mit euch, die ich nie vergessen will. Danke für alles und danke für euer Vertrauen, dass ich euer Gruppensprecher sein durfte.“ Eine letzte Umarmung, Wünsche für die Zukunft, dann trennten sich unsere Wege …


Ciao, euer FSJler Niklas



 


Rückblick auf die letzten Seminare

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