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Poesie & Botanik

Aktualisiert: 27. Juni

Unter dem diesjährigen Motto „Es grünt so grün – Wilde Vielfalt“, angelehnt an „My fair lady“, fand in Kooperation zwischen der PH Karlsruhe, dem Botanischen Garten des KIT und der Karlsruher Scool of Education (KSE) zum zehnten Mal das Projekt „Poesie & Botanik“ statt.




Vorbereitend durften wir Studierenden der PHKA an einem Schreibworkshop bei Poetry-Slammer Philipp Herold teilnehmen, wo wir Tipps und Tricks für unsere eigenen Texte bekamen, die wir eigens für den Auftritt schrieben.


Großartig angeleitet von Frau Sittek bekamen wir ein Sprechcoaching, um unsere Texte perfekt in Szene zu setzen.


Der gemeinsame botanisch-poetische Abend war ein voller Erfolg. Mit spannenden Fakten rund um die erwähnten Pflanzen erzählte Professor Nick aus der Natur.




Neben unseren eigenen Texten

Asparagus, gib mir einen Kuss (Niklas Böhringer)



Bevor wir uns kennenlernten, bestand dein Leben

– ich will nicht lügen,

aus Chaos, Wald und Kraut und Rüben.

Du warst verzweifelt in deiner alten Heimat: allein unter so vielen.

Auch wenn es oft kalt und finster war,

regelrecht unterirdisch gar,

hast du stets das Positive in dir bewahrt:

auf deine Art.


Deine Nase wunnerfitzig aus der Erde gereckt,

nichts hat deine Neugier gedämpft:

deinen Kopf neugierig ins Freie gestreckt,

aus der Tiefe hast du dich hervor gekämpft,

da haben wir uns erst entdeckt.


Viele bezeichnen dich als dürr, als schlacksig gar,

Awa! Do druf kannsch doch brunse.

Hör nicht darauf, lass die weißen Alten schwätze,

wenn du noch ganz grün um die Nase bist.

Die könne dir mol de Buggl nunner rutsche!

Du willst noch so viel erleben, hast dein ganzes Leben noch vor dir

– mit mir!


Manchmal schaust du dich um und es fühlt sich an,

als wärst du nur einer von so vielen.

Doch du wurdest gesät, um Liebe zu entfalten.

Mit deiner Art und deinen Faxen

bist du buchstäblich mir ans Herz gewachsen.


Die ersten Sonnenstrahlen wärmen dich,

du spürst, das wird deine Saison.

Ich werde da sein und dich voller Freude empfangen.

So lange habe ich auf dich gewartet,

darauf, dass unsere Zeit startet.

Nun ist die Zeit endlich reif für uns.


Sobald wir uns sehen, quietschst du voller Freude auf,

du bist meine Heilpflanze, die ich brauche,

auf die ich schon so lange gewartet habe.


Manchmal schaust du dich um und wirst ganz grün um die Nase,

andere hingegen werden blass.

Aber alles gut – du musst nicht jedem gefallen,

nur mir, nicht allen!

Was zählt, ist nur, dass wir uns gefunden haben.

Du heilst mich, bist stark und trotzdem unsichtbar.

Wer das nicht zu schätzen weiß und lange wartet,

den lockst du mit Beeren und machst unerwartet

aus süßen Beeren Gift und Galle,

lockst sie geschickt in deine Falle!


Dein junger Trieb, so frisch, so lieb,

ist genau das, was ich an dir schätze.

Ich will dich ganz, nicht nur zwei Drittel.

Keine Mühe ist mir zu viel, keine Arbeit zu schwer,

dazu mag ich dich zu sehr.

Auch wenn ich dich aus der engen holzigen Jacke

schälen müsste, nehme ich das gern auf meine Kappe.


Anfangs noch frisch, wirst du bald älter und dünner.

Doch was soll’s? Wir werden beide nicht jünger

… und irgendwann zu Dünger.

Auch wenn du anderen schnell mal stinkst,

ganz egal, ich liebe dich!

Du baust mich auf, du gibst mir Halt –

gemeinsam werden wir alt.

Doch nun komm mit, ich hole dich ab.


Zamme simma beide a subba Team!

Wir kriegen das schon irgendwie hin.

Wir passen einfach zueinander.

Wir ergänzen uns: Ich Lauch und du Spargel.

Zamme simma stark, ich piss uf des Debakel!

und

Sinnesgedicht: Lausch der Natur (Niklas Böhringer)

Ein lauer Sommerabend, so warm, so grün,

ich atme einmal tief ein, und staune, wie schön

wie lebendig die Natur doch ist,

so vielfältig wie ein Gedicht.


Vielleicht hast du dich schon einmal gefragt,

was eine Pflanze sieht, wenn sie sich umschaut.

Kleine und große Tiere. Jedes ist perfekt – auf seine Art.

Sie sieht einen Schmetterling mit bunten Flügeln in prächtigen Farben:

___ sind die Fühler, ___ sind die Flügel.

Ganz unscheinbar ein kleiner Fleck in ___

und da, noch einer in ___.


Doch nicht allein ist der Schmetterling unterwegs, nein,

mit Sang und Klang ist die Grille dabei:

zirp zirp.

Mancher Ton klingt ___, ein anderer ganz ___,

alle haben gemeinsam, dass sie ganz verschieden sind.

Und am Abend gibt die Grille ein Konzert,

sie singt ganz ___ und wieder ___.


Allmählich wird es dunkel und Glühwürmchen

blinken wie kleine Sterne in der Dämmerung.

Sie lassen sich nieder nach langer Reise

und fühlen das Gras, die Blätter, den Boden.

Hier fühlen sie ___, dort fühlt es sich ___ an.

Hier ist es ___ und dort ist es ___.


Auf ihrer langen Reise haben die Glühwürmchen

so vieles gesehen,

so vieles gehört und gefühlt,

doch ganz besonders erinnern sie sich an den Duft

der Blumen ___ und ___ andere wiederum ___ oder gar ___.

Sie alle dufteten so wild und einzigartig.


Sie alle sind verschieden,

doch eines haben sie alle gemeinsam:

die bunte Vielfalt.

(verbunden mit einer Achtsamkeitsübung) setzten wir gemeinsam weitere Gedichte wie

oder

Lotosblume von Heinrich Heine

in Szene.


Im Rahmen eines interdisziplinären Projekts haben Studierende der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe und des KIT die Möglichkeit, sich kreativ mit Sprache und Natur auseinanderzusetzen. Unter dem Titel „Poesie & Botanik“ verbindet das Projekt literarisches Schreiben mit performativen Elementen in einem besonderen Lern- und Erfahrungsraum. Ziel des Projekts ist es, eigene Gedichte zu entwickeln und diese gemeinsam mit anderen Teilnehmenden zur Aufführung zu bringen. Die kreative Arbeit findet im inspirierenden Umfeld des Botanischen Gartens am KIT statt und wird durch professionelle Schreibworkshops sowie Sprech- und Performancecoaching begleitet. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Sprache und Ausdruck stehen insbesondere der interdisziplinäre Austausch sowie die praktische Umsetzung im Vordergrund. Die Ergebnisse des Projekts werden im Rahmen einer öffentlichen Abschlussveranstaltung im Botanischen Garten präsentiert. ~ KSE: KIT/Emilia Biche (hier den originalen Text lesen)

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